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Vor einigen Tagen habe ich einen Artikel gelesen zum Thema „Unvergessene Liebe“. Eine Psychologin erklärt darin, warum viele Männer wie Frauen auch nach vielen Jahren noch an einen bestimmten Menschen aus der Vergangenheit denken. Mit Wehmut oder Sehnsucht, und oft auch unabhängig von danach entstandenen Partnerschaften.
Die unvergessene Liebe kann aus vielen verschiedenen Szenarien entstehen: aus der einseitigen Liebe zum Beispiel, die niemals erwidert wurde. Oder wenn eine Trennung aus rationalen Gründen herbeigeführt wurde, die Liebe aber geblieben ist.
Oder, wenn zwei Menschen sich verliebt haben, äußere Umstände eine Beziehung aber unmöglich gemacht haben. Diese Geschichten füllen Romane und Filme und berühren dabei unser Herz.
Was sind nun die Erklärungen der Psychologin für die Liebe oder die Verbindung, die irgendwie bei uns geblieben ist:
- Wenn niemals eine tatsächliche Beziehung entstanden ist gab es naturgemäß auch keinen Streit um liegengelassene Socken, Eifersucht oder einfache Abnützungserscheinungen. Die Abwesenheit von Alltag macht es uns leicht, eine Person zu verklären, sie fehlerlos und strahlend zu sehen. Deshalb sehen wir diesen Menschen als Ideal, als perfekt.
- Wir verbinden Menschen mit Emotionen, die sie in uns ausgelöst haben. Tanzen unsere Hormone Tango, weil wir frisch verliebt sind, fühlen wir uns supertoll. Diese Gefühle verknüpfen wir mit dem Menschen, der sie vermeintlich ausgelöst hat und schwupp: er oder sie wird dazu auserkoren, uns auch zukünftig dieses verliebte, sehnsüchtige, verträumte Gefühl in uns zu wecken.
- Ein Mensch, den wir unbewusst idealisiert haben, kann durch unsere Tagträume vom vielleicht gar nicht so liebevollen, rosaroten Alltag ablenken. Ein „Mit ihm/ihr wäre alles besser“ weckt die Hoffnung, dass doch noch einmal alles anders sein könnte.
Soweit alles klar, oder? Ein Mensch aus der Vergangenheit löst bei uns gute Gefühle aus, entführt uns aus dem Alltag und hat einen Heiligenschein auf, dem – durch Abwesenheit von Alltagsproblemen und Abnützung“ niemals der Glanz abhandengekommen ist.
Das war auch mir beim Lesen des Artikels klar, sowohl aus der Lebenserfahrung als auch aus meinem beruflichen Kontext heraus. Umso überraschter war ich beim Durchlesen der knapp 350 Kommentare:
Geschätzte 90% der Kommentatoren erinnerten sich im Forum an eigene, vergangene, unvergessene Lieben, die sie im Herzen behalten haben. Verlorene Jugendlieben, Kontakte, die sich auseinanderentwickelt haben. Ehemalige Beziehungen, die zwar getrennt wurden, die Liebe aber am Leben gelassen haben. So viel Wehmut, Sehnsucht, aber auch Dankbarkeit und einfach Liebe war aus den Texten herauszulesen. Wie schön!
Trotz wissenschaftlicher, nachvollziehbarer Erklärungen haben sich so viele Menschen dazu entschlossen, im Herzen weich zu bleiben. Die vor langer Zeit entstandene Liebe in Ehren zu halten. Ihr nicht zu erlauben, den Blick auf die Gegenwart und die Zukunft zu verstellen, ihr aber dennoch einen Platz in der Schatzkiste der schönen Erinnerungen zu geben.
Wir können immer versuchen, die Liebe irgendwie zu erklären. Mit Hormonen, mit damit verbundenen Hoffnungen, mit Chemie oder sonst was, am Ende bleibt sie doch ein bisschen ein Geheimnis ;-)