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Stark

Stark

Montag, April 5, 2021

„Und du glaubst, ich bin stark, und ich kenn den Weg,
du bildest dir ein, ich weiß, wie alles geht,
du denkst, ich hab alles im Griff
und kontrollier, was geschieht,
aber ich steh nur hier oben, und sing mein Lied“

Das ist der Refrain von eines Liedes von „Ich + ich“ und steht für mich sinnbildlich für viele Menschen, die von anderen als stark angesehen und auch so behandelt werden. Die, die man stärker belasten kann, mehr zumuten, und die – egal, was passiert – immer wieder aufstehen.

Denen man sagt, wie beeindruckend man es findet, wie erfolgreich sie sind und verschiedenste Dinge managen, dabei aber übersieht, dass auch diese Menschen mit Selbstzweifeln kämpfen, mit der Sorge, nicht gut genug zu sein, oder nicht das zu sein, was andere von ihnen erwarten.

Vor einiger Zeit habe ich es als Aufgabe in einem Workshop bekommen, zehn nahestehende Personen zu fragen, mit welchen drei Wörtern sie mich beschreiben würden. Unter diesen 30 Attributen war acht Mal „stark“ zu finden. Ich hätte kotzen können.

Schon früher ist es mir auf den Geist gegangen, als stark bezeichnet zu werden, weil es für mich häufig bedeutet hat, mehr zugemutet zu bekommen, weniger oft gefragt zu werden, ob ich Hilfe benötige. Aber wie ist dieses Bild von mir entstanden?

In meinen früheren Zeiten hätte ich es nie zugelassen, mir Schwäche zuzugestehen, und schon gar nicht, anderen diese Seite zu zeigen. Ich erinnere mich an einen Tag, an dem meine halbe Welt zusammengebrochen ist, und am Abend stand ich bei einer beruflichen Veranstaltung, und niemand hätte auch nur im geringsten erahnt, wie es in meinem Inneren ausgesehen hat.

Nichts, worauf ich heute stolz bin, weil es eine Verleugnung meiner Gefühle war. Und auch eine Unehrlichkeit den Menschen gegenüber, die mir nahe standen. Wer kann schon erahnen, was sich hinter einem strahlenden Lächeln verbirgt, wenn die Person selbst es nicht zum Ausdruck bringt. Von anderen zu erwarten, sie sollten erraten, was hinter der Fassade, dem selbst auferlegten Panzer, tatsächlich passiert, ist schlicht Unfug.

Stark zu sein wird in allen Magazinen und Ratgebern gefeiert, von der Gesellschaft eingefordert, aber ist das wirklich ein Etikett, das wir in jeder Lebenslage und zu jedem Zeitpunkt tragen wollen? Sind wir weniger wert, wenn wir schwach sind, und Unterstützung benötigen?

Nein. Das gesamte Leben wird erst durch die Polarität lebendig. Stark und schwach. Laut und leise. Emotional und rational. Vertrauensvoll und Wachsam. Wir wachsen, wenn wir erkennen, dass wir das alles sein dürfen, und nicht nur eine Seite der Medaille bedienen.

Und wenn wir lernen, uns selbst die schwachen Momente und die Hilflosigkeit zuzugestehen, dann haben wir wahrlich gewonnen. Dann dürfen wir wir sein.

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