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Schutzstrategien

Schutzstrategien

Samstag, Mai 11, 2024

  • „Ich bin immer lieb und nett, obwohl mir oft gar nicht danach ist.“
  • „Ich bin bereit, sehr viel Leistung zu erbringen, auch weit über meine Grenzen hinaus.“
  • „Ich halte an Menschen fest und kann sie nicht loslassen, obwohl sie mich nicht gut behandeln oder sich mir gegenüber nicht verbindlich verhalten.“
  • „Ich passe mich so gut wie möglich an andere Menschen an, verhalte mich möglichst unkompliziert, stelle wenige Ansprüche.“
  • „Ich tue alles, um geliebt zu werden/nicht verlassen zu werden.“

Was haben diese Verhaltensweisen gemeinsam? Dass es sich dabei meist um sogenannte „Schutzstrategien“ handelt. Schutzstrategien sind – unbewusste – Handlungen, die uns vor schmerzhaften Erlebnissen und Gefühlen schützen sollen.

Das, was sich zuerst nach einem ziemlich ungesunden Verhalten anhört, und bei manchen vielleicht ein „warum tut man das?“ hervorruft, waren in frühester Kindheit sehr sinnvolle Strategien, die im weitesten Sinne unser Überleben gesichert haben.

Als Babys und Kleinkinder sind wir in höchstem Maße abhängig von der Zuwendung, Aufmerksamkeit und Fürsorge unserer Eltern -  sie sorgten dafür, dass wir Essen, Trinken und ein Dach über dem Kopf erhielten.

Erfährt das Kind nun in jungen Jahren, dass die Eltern vielleicht durch eigene Probleme von ihnen abgelenkt waren, sie wenig Interesse am Kind hatten, oder dass ein Elternteil oder eine nahe Bezugsperson weggeht (Trennung, Scheidung) oder verstirbt, löst dies im Kind im wahrsten Sinne eine Todesangst aus.

Kinder können noch nicht wahrnehmen, dass die Erfahrung des Verlustes oder der zu geringen Aufmerksamkeit einer Situation geschuldet ist, sondern beziehen diese auf sich. Es entsteht das Gefühl von „Mit mir stimmt etwas nicht, darum verhalten sich Mama/Papa so.“ und das Kind beginnt – was sehr schlau ist! – Verhaltensweisen zu entwickeln, die diesem Gefühl entgegenwirken.

Durch die Schutzstrategien versucht das Kind also in erster Linie, sich vor negativen Emotionen zu schützen, negative und schmerzliche Gefühle nicht fühlen zu müssen und möglichst doch die Aufmerksamkeit der Eltern auf sich zu ziehen. Möglich wären zum Beispiel folgende Schlussfolgerungen:

  • „Ich bin nicht wichtig“ – > „Ich muss extra brav sein“
  • „Ich werde verlassen“ -> „Ich muss mich anstrengen/anpassen/unkompliziert sein/, damit jemand bei mir bleibt“
  • „Ich werde nicht geliebt“ -> „Ich muss fleißig sein und Leistung bringen, um wertvoll zu sein und geliebt zu werden“
  • „Ich werde nicht gehört“ -> „Ich muss laut werden, um mir Gehör zu verschaffen“

Leider legen wir diese Muster meist im Laufe des Erwachsenenlebens nicht ab, sondern verwenden sie weiter, weil sie ja zu einem früheren Zeitpunkt sehr sinnvoll waren. Erst später wird uns oft bewusst, dass uns diese Verhaltensweisen vielleicht schaden oder uns in der Beziehung zu anderen Menschen im Weg stehen.

Und wenn man die Schutzstrategien von diesem Gesichtspunkt aus betrachtet wird auch klar, dass es nicht darum geht, das Verhalten zu verändern (geht auch nicht, weil dieses ja unbewusst und automatisch geschieht), sondern dass zuerst das Gefühl ausfindig gemacht werden muss, das vermieden werden soll.

In einem Reflexionsprozess kannst du zum Beispiel herausfinden, welche unbewussten Glaubenssätze bei dir wirken, die du mit ausgleichendem Verhalten abschwächen willst. Stellst du dir also etwa die Frage, warum du in bestimmten Situationen seltsam reagierst, warum du in verschiedene Umstände immer wieder hineingerätst, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass hier Schutzstrategien am Werke sind.

Wenn du diese genauer beleuchten und auflösen möchtest, kontaktiere mich bitte gerne für eine Terminvereinbarung!  

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