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Scheinwelt

Scheinwelt

Sonntag, März 23, 2025

Vor einigen Tagen hat ein Bekannter mich angesprochen und mich gefragt „Arbeitest du eigentlich irgendwann was?“ Hä? Wie sich herausgestellt hat, verfolgt er über die sozialen Medien meine Wandertouren, den Kaffee am See, die Spazierrunden mit dem Hund. Das sieht dann natürlich so aus, als hätte ich einen wunderbaren, ewigen Lenz.

Warum sage ich das? Um mich rechtzufertigen? Ganz im Gegenteil. Selbst wenn es so wäre, und mein Leben eine endlose Aneinanderreihung toller Erlebnisse voller Leichtigkeit wäre, wäre es doch in Ordnung. Aber es ist nun einmal so: wir stellen selten Fotos online, auf denen wir putzen, hart arbeiten, auf die Kinder aufpassen, uns streiten, etc.

So entstehen verzerrte Bilder. Bilder mit denen wir uns manchmal vergleichen. Beim Scrollen durch Instagram- oder Facebook-Accounts, aber auch beim Durchblättern vieler Homepages oder simpler Zeitschriften, die mit der Realität wenig zu tun haben.

Es leider so, dass wir uns lieber Fotos von Stränden, Bergen und perfektionierten, gutgelaunten Menschen ansehen, als die von vollen Einkaufswagerln, noch volleren Windeln oder Stapeln von nicht erledigter Arbeit. Und von Menschen, die aussehen, wie sie eben aussehen: ungeschminkt, erschöpft, sorgenvoll.

Und was macht das mit uns?

  • Wir treten vielleicht in einen Vergleich und fragen uns, was andere besser machen, als wir. Warum sie ein schöneres, leichteres Leben haben als wir selbst.
  • Wir werten das ab, was wir selbst haben. Weil wir nicht sehen, dass trotz der tollen Urlaube vielleicht dennoch nicht alles rosig ist.
  • Unsere Wahrnehmung verzerrt sich und die Messlatte wird höher und höher gelegt: alles soll noch schöner, noch perfekter, noch glücklicher sein. Urlaub auf Kredit. Noch eine Kleidergröße weniger. Neues Auto. Zur Schau gestellte traute Zweisamkeit – anstatt sich zu fragen, ob man nicht eigentlich zufrieden sein könnte mit dem, was man hat.
  • Wir sind entmutigt, weil das, was uns als scheinbarer Standard präsentiert wird, so unerreichbar scheint.

Aber gottseidank dreht sich die Geschichte mittlerweile. Es gibt schon viele Menschen, die die „ungeschönte“ Wahrheit posten und dafür viel Zuspruch ernten. Vor kurzem habe ich ein Foto von mir gepostet in kurzer Hose, mit – oh mein Gott! – Cellulite an den Beinen.

Und ich habe noch nie zuvor so viele positive Rückmeldungen erhalten. Mutig. Ehrlich. Motivierend. Und das alles nur, weil ich mich so gezeigt habe, wie ich nun einmal aussehe.

Das zeigt mir, dass viele Menschen mittlerweile Sehnsucht haben nach ungeschönten Bildern. Nach Unterhaltungen, wo man einfach sagen kann: „läuft momentan nicht so rund bei mir“. Nach ehrlichen und offenen Einblicken in das reale Leben.

Das manchmal zwar nicht einfach ist, und schon gar nicht perfekt. Aber vielleicht einfach gut so, wie es ist. Mehr Sein als Schein.

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