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Was bedeutet für dich Loslassen? Für mich bedeutet es in erster Linie, den Dingen ihren Lauf zu lassen, und mittlerweile bin ich ziemlich gut darin. Aber das war nicht immer so. In dem Versuch, alles unter Kontrolle zu halten, war ich ziemlich verbissen. Ich habe zum Beispiel hartnäckig versucht, einen bestimmten Partner zu bekommen. Alles versucht, um ihn zu behalten. Ich hätte so gerne mein Leben komplett nach meinem Plan gestaltet: den Job, Familie, Freunde.
Aber es hat viele, viele Momente gegeben, da hat das Leben mich und meine Bemühungen einfach ausgelacht. Menschen aus meinem Umfeld entfernt, die ich gerne behalten hätte. Berufliche Pläne über den Haufen geschmissen. Meine Vorstellungen davon, wie alles laufen soll, einfach ignoriert. Und oft war ich sehr verzweifelt deshalb. Ich habe mich doch wahnsinnig bemüht und aufgeopfert, um alles in die „richtigen“ Bahnen zu lenken. Hatte klare Wege im Kopf.
Heute weiß ich, dass aus all diesen nicht gewollten Weichenstellungen etwas viel Besseres gewachsen ist, als ich es mir jemals vorstellen hätte können. Schon alleine deshalb, weil wir uns im Kopf meistens viel zu sehr beschränken. Denken, dass uns viel weniger zusteht, als es tatsächlich der Fall ist. Wir trauen uns gar nicht, groß zu träumen, weil der Hochmut ja schließlich vor dem Fall kommt, nicht wahr? Und genau deshalb brauchen wir manchmal einen Schubs in die richtige Richtung.
Vor einigen Jahren wurde mir meine Wohnung gekündigt. Meine Welt ist zusammengebrochen. Wo sollte ich nun hin, gemeinsam mit meinem Hund? Der Platz, an dem ich wohnte, war mir ans Herz gewachsen, ich fühlte mich sehr wohl , und ich wollte, wollte, wollte nicht weg. Aber es blieb mir nichts anderes übrig.
Wochenlang habe ich mich mit dem „warum“ gequält und bin in einen – sinnlosen - inneren Widerstand gegen die Situation gegangen. Und heute? Wohne ich in einer wunderschönen Wohnung in einer tollen Umgebung, mit lieben Menschen um mich herum. Hätte ich das zu träumen gewagt? Nein.
Wir Menschen sind so gestrickt, dass wir Bestehendes unbedingt behalten wollen und oft gar nicht hinterfragen, ob das, was vielleicht am Anfang noch gut für uns war, auch heute noch passt. Ob die Menschen in unserem Umfeld sich in dieselbe Richtung entwickelt haben wie wir. Ob der Arbeitsplatz uns noch Raum gibt, weiter zu wachsen oder ob er uns doch eher beschränkt und klein hält.
Trennungen, der Verlust des Arbeitsplatzes oder der Wohnung, oder andere große Veränderungen stellen uns vor Herausforderungen, die zu bewältigen nicht einfach ist. Oft stellen wir uns deshalb quer und sagen „ich will aber nicht“ und nehmen uns dadurch selbst die Chance, etwas Gutes daraus entstehen zu lassen.
Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung sagt „What you resist, persists“. Auf Deutsch: Das, wogegen du dich wehrst, bleibt dir erhalten. Er meint damit, dass man, wen man in Widerstand gegen etwas verstrickt ist, man sich selbst blockiert und wertvolle Energie verloren geht. Diese Energie könnte man nutzen, um andere, bessere Wege zu entdecken.
Die Natur zeigt uns den tieferen Sinn des Loslassens: Der Baum lässt im Herbst seine Blätter fallen und sorgt sich nicht darum, ob jemals Neue nachkommen. Bereits während des Winters, wenn es für uns so aussieht, als wäre er tot, entstehen im Inneren bereits die neuen Blätter, die uns im Frühling Jahr für Jahr zum Staunen bringen. Es ist der ewige Kreislauf, der uns vor Augen führt, dass manchmal Platz geschaffen werde muss, damit wieder Frisches, Neues, Kraftvolles entstehen kann.
Wenn auch du immer wieder ins Leere läufst mit deinen Bemühungen, feststehende Situationen oder auch Menschen verändern zu wollen, dann kontaktiere mich gerne für eine Terminvereinbarung.