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Inklusion oder so

Inklusion oder so

Sonntag, März 30, 2025

Bis vor zwei Jahren haben die Begriffe „Inklusion“ oder „Barrierefreiheit“ in meinem Leben überhaupt keine Rolle gespielt, am ehesten kannte ich noch das blaue Zeichen auf den Parkplätzen, die sich ganz nahe am Eingang bei Einkaufszentren befinden.

Doch das hat sich gewaltig geändert. In meiner Nebenbeschäftigung bin ich persönliche Assistentin, also Begleitperson. Ich bin die, die Türen öffnet, manchmal den Weg freimacht, live dabei ist bei dem, was Menschen mit einer Beeinträchtigung tagtäglich erleben. Und ich hätte es nie für möglich gehalten.

Menschen, die stuf auf einen Rollstuhl zugehen, als könnte man damit über die Gehsteigkante ausweichen. Die unbedingt noch schnell überholen müssen und dabei in Kauf nehmen, dass die betreffenden Personen Ellenbögen, Handtaschen oder Einkaufssackerl ins Gesicht bekommen. Die trotz Aufkleber das Auto so einparken, dass ein Ein- oder Ausladen eines Rollstuhls schlicht und einfach nicht möglich ist.

Inklusion bedeutet, dass jeder Mensch an der Gemeinschaft, der Gesellschaft teilnehmen kann, ohne Einschränkung. Das wahre Leben sieht anders aus. Postämter, die nur über Stufen zu erreichen sind. Geschäfte, die so vollgestellt sind, dass man mit einem Rollstuhl unweigerlich irgendwo steckenbleibt. Kellnerinnen, die genervt die Augen verdrehen, weil sie einen Sessel woanders hinstellen sollen.

Vor einem knappen Jahr hat Bad Ischl das Projekt „Kulturhauptstadt“ mit dem berühmt gewordenen „Pudertanz“ eröffnet, der Inklusion und das Miteinander in den Fokus stellen sollte. Schade, dass dann gerade an diesem Ort so vieles unerreichbar ist für körperlich beeinträchtige Menschen. Und damit ist Bad Ischl leider nicht alleine.

Wie fühlt man sich wohl, wenn an Restaurants, Cafés, Shops etc. quasi ein unsichtbares Schild mit „Ich muss leider draußen bleiben“ angebracht ist? Weil fehlende Rampen und enggestellte Tische einen Aufenthalt unmöglich machen? Und auch kein Bemühen erkennbar ist, das zu ändern?

Fühlt man sich da willkommen? Inkludiert? In der Mitte der Gesellschaft? Wohl kaum.

Für das Umfeld bedeutet das in erster Linie viel Planung: Wo parken wir? Wo können wir überhaupt hinein? Und wenn ja, gibt’s auch ein passendes WC?

Mit diesen Fragen verkleinert sich die Auswahl auf ein Minimum und bringen wir es auf den Punkt: das ist eine Einschränkung der Lebensqualität. Der Beiname meiner Praxis ist „LebensWert“, Lebensfreude und ein Ausleben der eigenen Wünsche steht für mich ganz oben. Zu sehen, wie vielen Menschen diese Möglichkeit genommen wird, macht mich traurig.

Inklusion heißt für mich: Sich in eine andere Position zu begeben, Situationen von der anderen Seite zu sehen, zu versuchen, Menschen, die ohnehin schon mit einer Krankheit zu kämpfen haben, das Leben zu erleichtern und sie nicht auszuschließen, nur weil es für einen selbst unbequem ist.

Empathie und sich auf Augenhöhe zu begeben – im wahrsten Sinne des Wortes – kann die eigene Sichtweise komplett verändern und wenn ich nur einen Menschen mit meinem heutigen Text erreiche, dann habe ich schon gewonnen.

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