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Diese Woche bin ich im Online-Forum eines Radiosenders auf eine Diskussion gestoßen, wie frau mit frauenfeindlichen Aussagen von männlichen Kollegen umgehen solle, und die Ideen waren vielfältig:
- sofort der Geschäftsleitung melden
- öffentlich bloßstellen
- die Größe seines Geschlechtsteiles in Frage stellen, etc.
Dass abfällige Wortmeldungen über Frauen unter der Gürtellinie und indiskutabel sind, darüber sind wir uns glaube ich einig, aber:
Zeitgleich stoße ich auf einen anderen Artikel, in dem sich Frauen über Familienplanung austauschen. Originalzitat: „Toll, dass die Medizin solche Fortschritte macht, bald brauchen wir die Männer nur noch zum Gardinenstangen aufhängen.“ – „Haha, nicht mal dazu sind sie zu gebrauchen, ohne sie sind wir viel besser dran“.
Diese zwei Beispiele beschäftigen mich schon ein paar Tage, und ich habe über die Männer in meinem Leben nachgedacht. Vater, Großväter, Familie, Freunde, mein Partner. So viele Menschen, die mir wichtig sind, keinen davon möchte ich auf seine Art missen. Was also bringt Frauen dazu, die bloße Existenz der Männer in Frage zu stellen? Und gibt es sie überhaupt, „die Männer“, in ihrer Allgemeinheit oder sollten wir nicht doch jeden einzelnen für sich beurteilen??
Jede und jeder von uns kennt sie, die Großmäuler, die Unehrlichen, die Feigen, die Betrüger. Aber ist es deshalb in Ordnung, alle in einen Topf zu schmeißen? Wo wir Frauen uns doch dagegen wehren, dass mit uns genau dasselbe passiert? Ich sage „nein“.
Was für mich aus diesen Worten förmlich herausspringt ist eine Art Verdrossenheit, Verzweiflung, und auch Traurigkeit, dass vermutlich das eine oder andere „Musterexemplar“ das Leben negativ beeinflusst hat.
Auch ich kenne Zeiten in meinem Leben, wo ich von Männern enttäuscht wurde, und deshalb der gesamten Männerwelt abschwören wollte. Was ich mir aber in ehrlichen Momenten eingestehen musste, ist, dass ich auch meinen Teil dazu beigetragen habe.
Dass ich Männern einen zu hohen Stellenwert eingeräumt, meinen Wert nicht gekannt, sondern vom Gegenüber abhängig gemacht habe, und vermutlich schon bei der Partnerwahl mein Augenmerk auf falsche Werte gelegt habe. Um mich dann genau darüber zu beschweren.
In den letzten Jahren und Jahrzehnten hat sich viel verändert am Gesellschaftsbild, am Familienbild, und dass jedem Menschen – ob Mann oder Frau – dieselben Rechte zustehen, sollte eigentlich eine Selbstverständlichkeit sein. Aber deshalb dem anderen Geschlecht abzuschwören, es herunterzumachen, und für unnötig zu erklären, stellt uns lediglich auf dieselbe Stufe wie die leidigen Stammtischgröler.
Aus meiner Sicht ist es so, dass wir wie in vielen anderen Bereichen auch hier unser Augenmerk auf das legen, was schlecht ist. Auf Männer, die uns nicht wertschätzen, nur ihren eigenen Vorteil im Sinn haben und durch blöde Sprüche ihr Ego aufpolieren möchten.
Wir verlieren dabei aber die Männer aus dem Blick, die ganz anders sind: die, für die Gleichberechtigung nicht diskutiert werden muss, weil sie selbstverständlich ist, die wissen, dass wir alleine klarkommen, aber trotzdem an unserer Seite sind, wenn es notwendig ist. Die glücklich sind, weil sie uns haben.
Die, die mit viel Grips, Verantwortungsgefühl, Fürsorge und
Weitblick ausgestattet sind. Und die für
ihre Kinder und ihre Familie da sind, und uns Halt und Stütze sein können. Wenn
wir sie lassen.
Bild: Pixabay